Oberflächlichkeit

Bei oberflächlicher Betrachtung scheint es manchmal so, als nehme Oberflächlichkeit zu, bei genauerer Betrachtung merkt man jedoch schnell, daß der Begriff „oberflächlich“ ein sehr oberflächlicher ist und nicht viel mehr aussagt, als daß der Benutzer eines solchen Begriffs das Gefühl hat, er wäre weniger oberflächlich als der größte Teil seiner Mitmenschen. Die Klage über die Oberflächlichkeit der Kultur ist indessen so alt wie die Kultur selbst, und mit jedem, der in seiner Umgebung Oberflächlichkeit diagnostiziert (und das sind viele), scheint die Oberflächlichkeit abzunehmen. Da das jedoch nicht der Fall ist, wird sich wohl der ein oder andere bei der Selbstdiagnose ein wenig irren.

Dazu kommt noch die Relativität des Begriffs. So mancher, der seine Rosen mit der Lupe betrachtet, zetert über die oberflächlichen Ahnungslosen, die das nicht tun, während er selbst auf Anfrage nichts darüber berichten kann, welche Gewürze seine Soße schmackhaft machen.

Jedes genaue Hinsehen, Hinhören, Hinschmecken, Hinfühlen ist ein selektiver Akt, der durch Oberflächlichkeit in anderen Bereichen erkauft ist: Niemand kann seine Wahrnehmung so anlegen, daß er alles zu jeder Zeit gleichermaßen differenziert wahrnimmt. Das gilt in noch stärkerem Maße für die gedankliche Weiterverarbeitung des sinnlich Wahrgenommenen.

2 Antworten auf „Oberflächlichkeit

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