Diogenes und die Linsen

Neulich wurde ich nach meiner Lieblingsanekdote gefragt. Hier ist sie:

Der griechische Philosoph Diogenes saß auf dem Boden und wusch Linsen, als der Philosoph Aristipp vorbeikam und Diogenes bemerkte. Damals gab es in Athen kein billigeres Essen als Linsen, und eine linsenreiche Speisekarte war Ausdruck von äußerster Armut.

Von Diogenes wußte man, daß er sich hauptsächlich von Linsen ernährte. Aristipp jedoch hatte es nicht zuletzt durch seine Schmeicheleien dem König gegenüber zu Wohlstand gebracht. Aristipp sagte von oben herab: »Diogenes, wenn du lerntest, etwas bescheidener und ehrehrbietiger zu sein und dem König ein wenig zu schmeicheln, dann müßtest du nicht immer nur Linsen essen.«

Diogenes blickte schelmisch zu dem wohlhabenden Gesprächspartner herauf (oder besser herab) und erwiderte: »Ach, Aristipp. Wenn du gelernt hättest, Linsen zu waschen, müßtest du nicht dem König schmeicheln.«

Die Erde und das Brett 

Besonders Konstrukteure von Flachgedankengebäuden halten es für »Ironie«, wenn sie auf einen Einwand, den sie nicht verstehen, mit der Bemerkung reagieren: … und die Erde ist eine Scheibe. Man unterstellt anderen auf diese Weise Einfalt, ohne sich selbst der Mühe (bei genauerer Betrachtung wäre es oftmals eine vergebliche) zu unterziehen, auf den Einwand inhaltlich einzugehen. In solchen Fällen pflege ich zu sagen: Die Erde nicht, wie jeder sehen kann, aber wohl das Brett vor deinem Kopf. Aber daß das Brett eine Scheibe ist, können nur andere sehen, du selbst jedoch nicht.

Über Querulanten

Im Gegensatz zum Querdenker ist der Querulant meistens ein einsamer Mensch, der versucht, seiner Einsamkeit auf aggressive Weise zu entkommen oder wenigstens einen Grund für seine Einsamkeit zu finden, indem er andere zu ebenfalls aggressiven Gegenreaktionen zu verleiten trachtet. Gelingt dies, dann kann sich der querulus einsam wähnen, weil die andern so aggressiv sind. Der Querulant ist eine Art aggressiver Aggressionsprophet.