Roy Andersson und die Avantgarde

Avantgardisten nennen sich jene, die vor den Planierraupen herlaufen, die im Dunkel der Nacht die Gegend für neue Hauptstraßen plattmachen. Meist läuft die Avantgarde dabei im Zickzack, ihre Taschenlampen hin und her schwenkend, um auf sich aufmerksam zu machen, bis die Vorhüpfer dann endlich von den Lichtkegeln der auf die Planierraupen folgenden Walzen erfaßt werden.

Nun können die Handlichter ins Gestrüpp am Wegrand geworfen werden – die Batterien sind ohnehin inzwischen so gut wie leer –, die selbsternannte Avantgarde muß aber aufpassen, daß sie nicht von den mechanisch vorrückenden Metallkolossen erfaßt und gnadenlos zu Straßenbelag gewellt wird. 

Die wirklichen Avantgardisten sitzen derweil abseits der Szenerie auf kleinen Erhöhungen im Gebüsch, schauen sich das Ganze lächelnd und mit der einen oder anderen verdrückten Träne an und sprechen leise vor sich hin.

So einer ist Roy Andersson – ein ganz normaler Weiser am Rande des Geschehens.

 

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