Normopathie

Der durchschnittliche Mensch leidet vor allem darunter, daß sein mühsam gezeichnetes heroisches Selbstbild von sich, die imaginierte Überdurchschnittlichkeit, von seiner Umgebung überhaupt nicht oder nur verzerrt widergespiegelt und unterstützt wird, was er als bedrückende »Eintönigkeit des Alltags« empfindet.

Sprache und Utopie

Einer der Herausgeber der FAZ, Berthold Kohler, schrieb in einem Kommentar: »Ein Regierungswechsel in Hessen aber ermöglichte es dem linken SPD-Flügel, wieder von sozialistischen Utopien zu träumen.«

Woran wieder einmal deutlich wird, wie negativ ideologische Panzerung sich auf Urteilsfähigkeit und Sprachgestaltung auswirkt. Denn: Ein Flügel träumt nicht. Und wenn ein Linker in der SPD träumt, dann vielleicht von etwas, was ein Rechter in der FAZ für Utopie hält, weil er selbst andersgeartete Träume oder auch Utopien hat. Und wenn ich von einer Utopie als Utopie träume, dann hat sie bereits ihren utopischen Charakter verloren und ist bestenfalls nostalgisches Wehmutsschnarchen. Geträumte Utopie ist schimmeliger Schimmelkäse.

Gewalt und Phantasie

Die meisten Menschen, die ich kenne, sind für weniger Gewalt und für mehr Phantasie im Umgang miteinander. Dabei bedenken sie kaum oder gar nicht, daß es mehr Gewaltphantasien gibt als Gewalt und daß so ziemlich jeder Gewalttat Gewaltphantasien vorausgehen. Die Gutmeinenden haben zuwenig Phantasie, sich vorzustellen, welche Phantasien die weniger Gutmeinenden in ihren Köpfen ausbrüten.