Verletzungen und Persönlichkeit

Jesin

Gerade die Art und Weise, wie wir mit unseren Verletzungen umgehen, seien es die in der Kindheit oder die alltäglichen, macht uns zu unverwechselbaren Persönlichkeiten. Niemand, der nicht wirklich gelitten hat, kann eine unverwechselbare Persönlichkeit entwickeln. Aber mancher zerbricht an der Aufgabe, sich selbst zu heilen.

Ehe und Prostitution

Immanuel Kant sagte: „Die Ehe ist ein Rechtsbündnis zum wechselseitigen Gebrauch der Geschlechtsorgane.“

Und ist es nicht tatsächlich so? Ist nicht eine gelungene Ehe oder eheähnliche Dauerbeziehung zwischen gleichberechtigten Partnern eine Art wechselseitige Prostitution? Nicht nur im Bereich der Sexualität, sondern auch in vielen anderen Bereichen. Geben und Nehmen.

Wenn dieses Verhältnis auf Liebe gründet, ist es um so schöner.

Thomas Manns Betrachtungen betrachtet

Beinahe unerträglich für heutige Leser ist der revolutionär sein wollende betuliche Konservativismus Thomas Manns in den „Betrachtungen eines Unpolitischen“, der so bieder daherkommt mit der Mannschen Überbetonung der eigenen Rolle als pantheonisch-überkünstlerischer Zivilisationsliteraturkritiker und seiner pathetischen Herumreiterei auf dem Pferd des wahren, faltenerzeugenden Künstlertums. Und der dabei den Autor doch sichtbar immer wieder hinter der (damals wohl noch vorgestellten) Lesebrille aufschauen läßt, als wolle er fragen: Bin ich nicht ein Überkünstler, auch wenn ich wie ein Überbürger ausschaue? Seht ihr, wie spritzig ich bin?

Fratzen schneiden

Allem Lebendigen haftet der Geruch des Todes an. Und wenn man genau hinschaut, sieht man den Tod in jedem Gesicht verschmitzt und wissend lächeln. Auch beim Blick in den Spiegel. Man muß ihm Fratzen schneiden.