Wahr

Wahr ist, daß auch die absolute Wahrheit relativ ist und weniger wert als Wahrhaftigkeit. Absolute Wahrheit kann es nur aus der Sicht eines Absoluten geben, aber ein Absolutes kann keine Sicht haben, weil Sicht Perspektive zur Voraussetzung hat. Perspektive jedoch ist nur denkbar in Relation zu etwas, und Relation ist Ausdruck von Relativität und nicht als absolut denkbar. Eine absolute Perspektive ist ein Widerspruch in sich.

Deus sive natura ist blind und kann nur mit unsern Augen sehen. Wir aber sind unzuverlässige apperzipierende Sinnesorgane, die mehr in die Dinge hineininterpretieren, als sie aus ihnen herauslesen. Und das führt zur Relativierung des Absoluten, denn wir wollen unser eigenes Süppchen kochen und reichern deshalb unsere weltanschauliche Kartoffelsuppe ganz nach unserem persönlichen Geschmack mit religiösen Gewürzen der Region an. Oder mit denen, die wir gerade zur Hand haben.

Eine Antwort auf „Wahr

  1. buchzeiger schreibt am 27.01.2007 um 13:09 Uhr:
    Kartoffelsuppe mit religiösen Gewürzen aus der Region – ein interessantes Geschmacksabenteuer!

    Lyriost schreibt am 27.01.2007 um 13:31 Uhr:
    … und die Kräuter – wie Weihrauch – nicht zu vergessen. 😉

    buchzeiger schreibt am 27.01.2007 um 13:36 Uhr:
    Von Weihrauch wird mir schlecht!

    Lexonie schreibt am 28.01.2007 um 02:37 Uhr:
    Stelle Dich auf die Spitze eines Berges und ich verspreche Dir , Du hast die absolute Sicht ( klares Wetter vorausgesetzt) – ohne Zweifel übertragbar.

    Lyriost schreibt am 28.01.2007 um 10:47 Uhr:
    @ lexonie Von der Spitze des Berges sehe ich weder dich noch mich. Ist das nicht etwas zuwenig, um absolut zu sein?

    MissTik schreibt am 28.01.2007 um 20:25 Uhr:
    Wie kann etwas wahr sein, wenn die Wahrheit uns so oft (ent)täuscht? Ist diese dann überhaupt erstrebenswert? Und meine Wahrheit muss nicht deine Wahrheit sein…wer entscheident nun, ob ich etwas Wahres geschrieben habe?

    Lyriost schreibt am 28.01.2007 um 21:54 Uhr:
    @ MissTik Es ist nicht die Wahrheit, die uns enttäuscht, es sind unsere Vorstellungen, unsere Illusionen. Relative Wahrheiten gibt es natürlich, und die sind meßbar mit der Meßlatte, die da heißt Plausibilität. Eine objektive Wahrheit, die über allen relativen Wahrheiten steht, mag es geben oder nicht, das ist jedoch für uns ohne Belang, weil diese Art Wahrheit für uns unerreichbar ist. Ob du etwas Wahres geschrieben hast, läßt sich vielleicht im Dialog über das Geschriebene entscheiden – aber etwas Wahres ist nicht gleichbedeutend mit Wahrheit. Vieles, was wir für Wahrheit halten, ist es nicht. Eine plausible Aussage ist so lange wahr, bis jemand sie widerlegt.

    MissTik schreibt am 29.01.2007 um 21:30 Uhr:
    Für wahr darfst du meine Absicht halten, mich durch deinen Blog inspirieren zu lassen, wahr ist wohl auch, dass wir beide gerne schreiben, wahrscheinlich gibt es auch „Leute“, die uns ganz gern lesen und ich freue mich wahrlich Kommentare von dir zubekommen, wie die Schönheit liegt wohl auch die Wahrheit in den unendlichen Weiten des betrachtenden (bzw. lesenden) Auges.

    Lyriost schreibt am 29.01.2007 um 22:07 Uhr:
    Wohl wahr. 😉

    MissTik schreibt am 29.01.2007 um 22:09 Uhr:
    Nach soviel „Wahrem“ geb ich mich mal wieder der Illusion hin ein spannendes TV-Programm ausmachen zu können..

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