Papillarer Orgasmus

Ab einer gewissen Körperfülle wird der papillare Orgasmus, also der Orgasmus lingua bzw. glossa, zum Beispiel der Schokoladenorgasmus, dem genitalen vorgezogen, und meistens ist es so, daß ein übermäßiges Körpergewicht Ausdruck dieser Präferenz ist. Manche Männer, die Papillen nicht nur auf der Zunge, sondern in Perlenform auch auf dem Eichelrand haben, können dennoch kein Schokoladenbad nehmen, um zum Höhepunkt zu kommen und gleichzeitig das Wachstum ihrer Schwarte zu begrenzen, weil die Penispapillen geschmacklich indifferent sind.

Ohnehin ist die oral-papillare Form der orgasmischen Substitution eher femininer Natur. Um mögliche Verwechslungen auszuschließen: Cunnilingus und Fellatio haben zwar auch mit der Zunge zu tun, aber der papillare Aspekt dieser Praktiken ist im allgemeinen – leider – zu vernachlässigen.

Wahr

Wahr ist, daß auch die absolute Wahrheit relativ ist und weniger wert als Wahrhaftigkeit. Absolute Wahrheit kann es nur aus der Sicht eines Absoluten geben, aber ein Absolutes kann keine Sicht haben, weil Sicht Perspektive zur Voraussetzung hat. Perspektive jedoch ist nur denkbar in Relation zu etwas, und Relation ist Ausdruck von Relativität und nicht als absolut denkbar. Eine absolute Perspektive ist ein Widerspruch in sich.

Deus sive natura ist blind und kann nur mit unsern Augen sehen. Wir aber sind unzuverlässige apperzipierende Sinnesorgane, die mehr in die Dinge hineininterpretieren, als sie aus ihnen herauslesen. Und das führt zur Relativierung des Absoluten, denn wir wollen unser eigenes Süppchen kochen und reichern deshalb unsere weltanschauliche Kartoffelsuppe ganz nach unserem persönlichen Geschmack mit religiösen Gewürzen der Region an. Oder mit denen, die wir gerade zur Hand haben.

Hierarchisches Denken

Ob im gesellschaftlichen Leben oder bei der Herausbildung einer philosophisch-religiösen, spirituellen Weltanschauung in einem Kopf: Nichts erzeugt im Menschen so zuverlässig Ohnmacht wie der Glaube an die Natürlichkeit hierarchischer Strukturen. Dabei ist dieser Glaube nichts anderes als ein epiphänomenales Konstrukt der Naturbetrachtung und entspringt einem tiefverwurzelten Bedürfnis nach Sicherheit durch Unterordnung.

Es ist ebenso wie in einem Wolfsrudel: Wer nicht die Kraft und den Mut hat, einem Alpha-Tier, und sei es auch ein imaginierter Gott, Paroli zu bieten, der versucht durch Unterordnung zu vermeiden, in die Rolle des Omega-Tieres gedrängt zu werden. Und genau das geschieht häufig gerade durch diese Willfährigkeit.

Verbeugen

Wahrhaft große Menschen haben nicht den Wunsch, daß sich kleinere vor ihnen verbeugen. Und im Wachstum zurückgebliebene Menschen sollten sich nicht vor größeren verbeugen, denn sie sind bereits klein genug. Sich auf die Zehenspitzen zu stellen ist jedoch auch keine dauerhaft befriedigende Haltung und wirkt zudem ebenso lächerlich wie eine tiefe Verbeugung.

Licht am Ende des Tunnels

Wenn man Licht am Ende des Tunnels sieht, sollte man vorsichtshalber erst einmal ein Schlupfloch suchen oder sich dicht an die Wand pressen und abwarten. Vor allem dann, wenn der Tunnel ein Eisenbahntunnel ist. Ganz Mutige (in Filmen) legen sich sogar auf den Boden.