Über Blindheit und Sehschwäche

Für den Blinden, dessen Augen ins Leere schauen und der auf seine anderen Sinnesorgane beschränkt ist, ist eine Brille sinnlos und bedeutungslos, ein lächerliches Instrument, dessen Druck bei ihm ein unangenehmes Gefühl auf der Nase und an den Ohren erzeugt, um so mehr, als er auf diese besonders angewiesen ist, um sich zu orientieren.

Ein Mensch mit Sehschwäche dagegen freut sich über seine Brille, wenn sie ihn auch ein wenig drückt, hilft sie ihm doch zu sehen, so daß er sich mit weniger Mühe in der Welt zurechtfinden kann als der Blinde.

Daß die Welt des brillenbewehrten Sehschwachen um vieles bunter ist als die des Blinden, ist zudem eine wunderbare Zugabe, die ihn den Druck des Gestells vergessen läßt.

Fragen und Antworten

Ob jemand Antworten für mich hat, kann ich nur erfahren, wenn ich ihm Fragen stelle. Das ist die Grundvoraussetzung jeder vorurteilsfreien Kommunikation. Wenn ich jedoch ahne, daß die Antworten, die der andere für mich hat, meinen Seelenfrieden oder meinen Seelenunfrieden stören könnten, dann sollte ich besser stille sein und mir Fragen verkneifen. 

Das gilt naturgemäß sowohl für direkte Fragen wie auch für indirekte, also Behauptungen. Denn ob ich mich mit einer Behauptung behaupten kann, das hängt ganz davon ab, welche fragende, in Frage stellende Resonanz meine Behauptung erzeugt.