Pferdefuß

Wer es unternimmt, mit Hilfe der Sprache zu einer endgültigen, unangreifbaren Aussage über die Realität zu gelangen, zu objektiver Wahrheit, der muß scheitern, sei es, indem er begänne zu stammeln, sei es, daß er versuchte, ein Pferd ohne Füße zu reiten.

Nicht mal im Koan der Zen-Mönche (das nur als Anregung dient und keine objektive Wahrheit transportiert) wird die Logizität der Sprache aufgehoben, denn Antilogizität ist nur eine Spiegelung der Logizität und damit von ihr abhängig, also genaugenommen eine von deren Formen.

Sprachen und deren inhärente Logik sind nichts weiter als (zu entziffernde) Zeichen am Straßenrand, damit wir Hermeneutiker uns nicht ständig verlaufen.

Vom Raffen

Sie sind schon putzig, unsere Raffkes. So der Frührentner Welteke, der fragt, warum er das »Passepartout für die Neiddebatte in Deutschland abgeben« solle.

Dabei beantwortet schon diese naiv-frech-blöde Frage sich selbst. Ebendarum. Warum bekommt jemand, der solch dumme Fragen stellt, soviel Geld hinterhergeworfen? Und ist trotzdem nicht zufrieden. Warum?

Die Frage sollte erlaubt sein und muß immer wieder neu gestellt werden.

Ein Passepartout ist bekanntlich ein flacher Rahmen. Manche sind Passepartouts ihrer selbst.

Flach, ja, flach.

SZ

Unvermischt

Zum Sinn oder Unsinn der Debatte um das Verbot multireligiöser Feiern an Schulen sollte man den Nikolaus befragen.

Was mich interessiert, ist die Begründung des Verbots von Kardinal Meisner, multireligiöse Feiern katholisch mitzuverzieren. Der Kardinal sagt, Kinder hätten »einen Anspruch darauf, ihren Glauben unvermischt kennenzulernen«.

Nun dachte ich immer, Glaube wäre etwas, was in einem Menschen Gestalt annimmt, sich in ihm, im Innern formt. Hier aber sollen Kinder etwas Vorgegebenes kennenlernen, das ihnen als ihres vorgeführt wird. Den Kindern soll also »unvermischt« demonstriert werden, was sie glauben. Ja, wenn sie das nicht schon vorher wissen, was ist der Glaube dann wert? Ist das überhaupt ein Glaube?

Ob nun Moslems, evangelische oder katholische Christen, Juden oder wer auch immer: Alles die gleiche Dressurschule. Glaube soll dadurch generiert werden, daß man den Kindern zeigt und sagt, was sie glauben sollen.

So entsteht kein Glaube, sondern vielmehr Glaube an die Richtigkeit vorgegebener Glaubensinhalte. Ein schwarzes Luftschloß.

Die Pfütze und der Fluß

»Wohin so eilig«, sprach die Pfütze zum Fluß. »Willst du nicht ein wenig ruhen?« – »Ich suche das Meer«, sagte der Fluß. »Da kann ich ruhen.« – »Wozu die Mühe«, sagte die Pfütze. »Ich warte auf Sonne und Wind. Sie werden mich husch, husch zum Meer tragen.« Der Fluß schüttelte sich so vor Lachen, daß die Kähne, die auf ihm schwammen, schwankten wie Bäume im Sturm: »Na, dann gutes Gelingen«, rief er und beschleunigte seine Fahrt. Die Pfütze aber sank wieder in ihren dösigen Schlaf und träumte vom großen Meer. Ja, beinahe kam es ihr schon vor, als sei sie selbst das große frische Meer. So träumte sie vor sich hin, und als die Sonne kam, begann sie zu stinken.