Einfach schwierig

»Nichts ist einfacher, als sich schwierig auszudrücken, und nichts ist schwieriger, als sich einfach auszudrücken.«

Diese Aussage des österreichischen Schriftstellers Karl Heinrich Waggerl ist zwar ungemein populär, aber dennoch nicht richtig, denn es fällt Menschen, die an eine einfache Sprachstruktur gewöhnt sind, schwer, komplizierte syntaktische Gebilde zu konstruieren, wenn sie es müssen, etwa wegen einer Prüfung, bei der solches von ihnen erwartet wird, oder weil sie einen offiziellen Brief schreiben müssen, der Eindruck machen soll.

Leuten, die es gewohnt sind, komplexe Sachverhalte in einer adäquaten oder ädäquat scheinenden Sprache auszudrücken, fällt es jedoch meist nicht sonderlich schwer, beim Bäcker zu sagen: Ich möchte ein Vollkornbrot, fünf Brötchen und zwei Stücke Bienenstich.

Eines ist allerdings richtig: Es ist weniger üblich, etwas Schwieriges mit einfachen Worten zu beschreiben als mit Wissenschaftskauderwelsch.

Das liegt jedoch nicht in erster Linie daran, daß die Kauderwelschenden das nicht könnten, es ist vielmehr so, daß sie es nicht möchten, weil sie glauben, sie würden, wenn sie sich einfach ausdrückten, von der Öffentlichkeit und vor allem von ihren Kollegen nicht gebührend wahrgenommen und gewürdigt.

Daß das nicht ganz unbegründet ist, sieht man zum Beispiel an der Hesse-Rezeption. Wie wurde und wird doch Hesse, dessen Werk sich durch eine einfache, musikalische Sprache auszeichnet, von vielen, wenn auch längst nicht allen Literatenkollegen und vor allem von der Literaturwissenschaft als Mann mit dem Strohhut verlacht.

Es ist unmöglich, sich jederzeit allen Erwartungen entsprechend angemessen auszudrücken.

Intrinsische Familienaufstellung

Systemische Familienaufstellung kann dazu dienen, herauszufinden, welche »äußeren« Familienkonstellationen (also extrinsische Beziehungen) wir verinnerlicht haben oder uns aufgeprägt wurden, die wir nun musterhaft reproduzieren, womit sie Intrinsizität erlangen und als unsere ureigenen Motive mißverstanden werden können.

Noch viel spannender als das (und der nächste Schritt) scheint mir jedoch so etwas zu sein wie eine intrinsische, eine innere Familienaufstellung, bei der die divergierenden Teile unseres Ichs systemisch abgebildet werden, was in der Folge dazu führen kann, daß wir uns ganz bewußt und mit der nötigen Autorität zum Spiritus rector unseres eigenen Ichs ernennen können.

Zumindest dann, wenn wir die Truppe in den Griff kriegen.