Freitagskinder

Es gibt Menschen, die schaffen es mit traumwandlerischer Sicherheit, beim Griff in einen Korb mit Weintrauben die einzige faule zu erwischen, wenn sie nicht das Glück haben, eine verkümmerte unreife Frucht zu ergattern.

Das sind dieselben Menschen, die nicht mehr in indische Restaurants gehen, obwohl sie die indische Küche theoretisch sehr schätzen wegen deren Gewürzvielfalt. Wenn man nur nicht jedesmal beim ersten Bissen an eine Kardamomkapsel geriete …

Wunderbar, die Kirschtorte, so locker und nicht ein Kern, sagen alle unisono bei der Geburtstagsfeier, nachdem jeder mehrere Stücke davon verdrückt hat, während unser Freitagskind verschämt immer neue Muster mit seinen Kirschkernen gestaltet, obwohl es nur ein einziges Stück von der Torte gegessen hat.

Wer solche Erfahrungen macht, der lächelt wissend, wenn er hört, wie jemand Fischfilet bestellt, weiß er doch, daß es so etwas wie Fischfilet nur theoretisch gibt, aber nicht in der Praxis.

Das klingt nun alles nach Verlierer und Pechvogel. Aber so ist es nun auch wieder nicht, denn unser Freitagsmensch gewinnt jede Woche bei einer Veranstaltung, bei der die große Masse der Sonntagskinder Woche für Woche verliert: beim Lotto.

Vorausgesetzt, daß er nicht spielt.

Buchreligionen

Buchreligionen wie Islam und Christentum waren nie etwas anderes als Mittel zum Zweck. Es ging immer darum, daß klerikalpolitische Kasten religiöse Gefühle gezüchtet haben, die sie für ihre eigenen politischen Zwecke manipulativ einsetzten. Heute kommt verstärkt dazu, daß sich westliche Politiker als Apostel versuchen, um ihre Einfallslosigkeit zu kaschieren. Und dann gibt es noch die vielen Spinner, die eine Begründung für ihre Boshaftigkeit suchen. Da kann man als überzeugter Agnostiker nur den Kopf darüber schütteln, daß die große Masse der Menschen nicht merkt, wie wenig alle Arten von institutioneller und in Buchdeckel gepreßter Religion mit dem zu tun haben, was man sich als Gott vorstellen könnte, wenn man es denn könnte. Man sollte nicht nur Waffen ächten, sondern auch Religionen, die über das Äußern einer Privatmeinung als Privatmeinung hinausgehen.

Der Mensch scheint jedoch so beschaffen zu sein, daß er dazu neigt, andere von seiner Privatmeinung überzeugen zu müssen. Notfalls mit Gewalt. Um dem Selbstzweifel zu entgehen.

Über Päpste und Muslime und andere

Ist es nicht eine der größten Merkwürdigkeiten daß so viele keine Gelegenheit auslassen, um dafür zu sorgen, daß die begründeten oder unbegründeten Vorurteile, die man gegen sie hat, immer neue Nahrung bekommen? Ist es nicht Zeichen einer wahnhaften Gesinnung, wenn man geradezu auf den Knien darum bittet, die eigenen religiösen Gefühle mögen verletzt werden, damit man gegen die Verletzung auf die Barrikaden gehen kann?

Nur wer sich seines Glaubens nicht sicher ist, kann von einem Andersgläubigen oder einem Nichtgläubigen verletzt werden.

Das gilt für Papstzitate wie für Papstsatiren gleichermaßen. Und natürlich auch für Karikaturen aller Art.

Wenn die Köpfe zu voll sind mit Glauben und vor allem Glauben an den Glauben, können die Denkinstrumente nicht störungsfrei tätig werden, und die Instrumentalisierer aller Fundamentalismen kochen böse lächelnd ihr vergiftetes Süppchen.

Blutreligionen

Keine Religion ist es wert, daß für sie auch nur ein einziger Tropfen Blut vergossen wird. Und je weniger Blutvergießen mit ihr verbunden ist, um so wertvoller ist eine Religion. Christentum und Islam sind Blutreligionen.

Als schwierig

Gerade in den Nachrichten im Deutschlandradio gehört: »Die Gespräche gestalten sich als schwierig.« Gespräche sind schwierig oder einfach, und sie werden von den Sprechenden gestaltet. Die Gespräche selber gestalten sich nicht, ihre Gestalt wird ihnen von den Gestaltern gegeben und kann von ihnen oder von Außenstehenden »als schwierig« angesehen werden.

Auch die Gestaltung der Sprache scheint für manche schwierig zu sein und muß als schwierig betrachtet werden, weil es den Gestaltern häufig an Gestaltungsfähigkeit mangelt.