Nicht nur im Fußball – Siegreiche Verlierer

Nicht nur im Fußball – Siegreiche Verlierer

Wenn gut jemand gut ist in dem, was er tut, wenn er Klasse hat, dann ist er frei von Neid und Mißgunst, sollte er auf einen treffen, der in seinem Bereich noch besser ist als er selbst.

Wenn wir auf jemanden treffen, der uns überlegen ist, so sollte uns das Ansporn sein, unsere Fähigkeiten zu verbessern, und wir sollten die Leistung des andern neidlos anerkennen. Nur die wirklich Guten können das Bessere akzeptieren, und sei es auch nur für den Moment, weil nur sie das Bessere als Besseres erkennen können.

Die weniger Guten üben sich im neidvollen und leidvollen Lamentieren. Vielleicht weil sie spüren, daß sie weniger tauglich sind, als sie glauben.

In Würde anzuerkennen, daß wir verloren haben, ist auch ein Sieg: ein Sieg über uns selbst.

Vom Umgang mit Traditionen

In manche Traditionen hüllen sich die Menschen wie in Gewänder, und die bizarrsten von ihnen haben lange Schleppen.

Wenn nun einer mit solch einem Gewand durch die Gegend stolziert, haben es die Nachfolgenden schwer, nicht auf die hinterhergeschleifte Schleppe zu treten. Tun sie trotz aller Vorsicht dennoch, so kommen sie bisweilen zu Fall, aber häufig steht auch der Träger plötzlich mit einem derangierten Gewand da und sieht aus wie eine elegante Vogelscheuche.

Manche Nachfolgenden aber haben es gerade darauf abgesehen, die Schleppe zu zerreißen, und stürzen sich darauf. Dabei geschieht es manchmal, daß nicht nur die Schleppe zerreißt, sondern das ganze Gewand. Und oft ist nichts darunter als pure Nacktheit. Dann steht der Träger da wie ein gerupftes Huhn.

Gute Stimmung

Wer dauerhaft guter Stimmung ist, obgleich weder alkoholisiert noch naiv und dümmlich, und bei aller guten Stimmung sich selbst und andere kritisch betrachtet und beurteilt, der hat es schwer. Da man ihn nicht als naiv und gedankenlos abtun kann, weiß keiner so recht, was man mit ihm anfangen soll.

Als Heitergeist abqualifizieren kann man ihn nicht so leicht, obwohl er doch abqualifiziert gehört, denn die gute Laune wird von denen, die eher trübselig und beladen blickend durchs Leben gehen, obschon sich ihre Lebenssituation auf den ersten Blick nicht gravierend von der des Gutgelaunten unterscheidet, als Angriff auf die eigene Person empfunden. Miesepeter haben von jeher die Furcht, Gutgelaunte könnten ihnen die schlechte Laune verderben.

Damit müssen sie leben, und auch das ist eine verläßlich sprudelnde Quelle ihrer schlechten Laune. Deshalb sollten die Schlechtgelaunten den Gutgelaunten dankbar sein, denn so werden sie und andere davon abgelenkt, das die Hauptquelle ihrer schlechten Stimmung in ihnen selbst zu finden ist. Genauso wie die Hauptquelle der guten Stimmung.

Der Mensch ist wie ein Instrument, das sich hauptsächlich selbst stimmt. Und die meisten Dissonanzen sind auf mangelhafte Stimmung zurückzuführen.

Über das Verstehen des anderen Geschlechts

Die Behauptung, Männer könnten Männer besser verstehen und Frauen Frauen, ist psychologisch gesehen Angst vor dem anderen Geschlecht und aus philosophischer Sicht mangelnde Einsicht in die ontologische Differenz, Verwechslung von Sein und Seiendem, denn Sein ist als coincidentia oppositorum konstituiert, nicht als Gegensatz seiner Erscheinungen. Die Gegensätze sind nicht das Wesentliche, sondern nur seine sinnlich wahrnehmbaren Hervorbringungen.