Vom Träumen

Wer seine Träume für Realität hält, neigt dazu, den Realisten als Zyniker zu bezeichnen. Der Realist aber freut sich über seine Träume, auch wenn er weiß, daß sie Träume sind. Und er nennt den Träumer einen Träumer.

Das Märchen von der Sicherheit

Nur wer an das Märchen von der sicheren und warmen menschlichen Gesellschaft, an die Mär vom Guten in jedem Menschen glaubt, wird die Realität als Abweichung von der Realität empfinden, und zwar unabhängig von der Gesellschaftsordnung. Wer aber wissen will, wie die Menschen wirklich sind, der schaue sich um und werfe einen Blick in die Geschichte.

Und wenn er dann merkt, daß er zu einem Zeitpunkt und an einem Ort lebt, wo die Fratzen des Bösen überwiegend hinter Gitterstäben aufleuchten, dann freue er sich, daß er sein Leben jetzt leben darf und noch ein wenig frei atmen, bevor der Geruch verbrannten Menschenfleisches wieder durch alle Ritzen in sein wohnliches Provisorium dringt.

Freu dich, Mensch, wenn du frei atmen kannst, und rede dir nicht ein, die Luft sei erfüllt vom kalten Kreischen böser Gewalten, wo doch nur die Stimmen der vielen unterschiedlichen Vögel miteinander konkurrieren. Lerne zu unterscheiden. Das kalte Kreischen kommt aus den Verliesen, wo die Dämonen an den Gitterstäben rütteln.