Vorsicht, Falle!

Der eitelste Mensch ist der, der von sich behauptet, im Gegensatz zu anderen liege ihm Eitelkeit fern. Wie eitel gesagt! Wenn man nicht in die Eitelkeitsfalle tappen will, ist es nicht möglich, andere als eitel zu bezeichnen und sich selbst auszunehmen.

Was also tun? Der Uneitle schweigt über die Eitelkeit, könnte man sagen. Als läge nicht im Schweigen soviel Eitelkeit …

Eitelkeit

Wenn wir unsere Eitelkeit eingestehen, so tun wir das aus Eitelkeit. Sind wir nicht bewunderungswürdig ob unserer Ehrlichkeit? Triebkraft unserer Eitelkeit ist der Wunsch, andere von etwas zu überzeugen, an das wir selbst nicht so recht glauben.

Dahinter steht die Hoffnung, die andern könnten uns durch ihren Glauben an uns helfen zu lernen, an uns selbst zu glauben. Verborgener oder manchmal auch erkannter Selbstzweifel ist der Kern aller Eitelkeit und aller Bedürfnisse nach Bestätigung und Anerkennung.

Wenn wir nun bereit sind, unsere Selbstzweifel offen auszusprechen, ist auch dieses Bekenntnis wieder Quelle neuer Eitelkeit. Und so geht das ad infinitum weiter.

Der Circulus vitiosus der Eitelkeit

Der Gipfel der Selbsttäuschung ist erreicht, wenn wir glauben, es gäbe Mittel und Wege, aus eigener Kraft dieser Täuschung unserer selbst zu entrinnen. Die »Confessions« von Rousseau sind ein prachtvolles Beispiel dafür, wieviel lustvolle Schöntuerei noch in der scheinbar schonungslosen Aufdeckung der Schöntuerei steckt.

Freundlichkeit und Charme

Manchmal ist eine Verletzung heilsam, nur darf sie nicht um der Verletzung willen geschehen. Ehrliche Freundlichkeit beim Kritisieren ist so etwas wie Verletzung mit Narkose. Der Charmeur aber gibt dem andern das Gefühl, der bemerkenswerteste und interessanteste Mensch zu sein, obwohl er weiß, daß es einiges zu kritisieren gäbe, und der Charmeur tut das, um für sich selbst Vorteile zu erlangen.

Sosehr das Vorgehen des Charmeurs im Augenblick angenehm für mich ist, ist es doch verletzender als die ehrliche Haltung des Kritikers, denn der Charmeur bestärkt mich in meiner Selbsttäuschung und verzögert das schmerzhafte Erwachen. Und das wird um so schmerzhafter, je länger es hinausgezögert wird. Das jedoch kümmert den Charmeur nicht, denn er ist jemand, der nur sein eigenes Wohlergehen im Auge hat.

Der indiskrete Charme der Ehrlichkeit

Mitunter erleichtert es die Kommunikation, wenn man uncharmant sagt, was man denkt. Daß in Einzelfällen damit das Gespräch beendet ist, sollte billigend in Kauf genommen werden. Charmante Menschen sind häufig Lügner.