Klugheit

Ein kluger Mensch weiß, daß er bessere geistige Entwicklungsmöglichkeiten hat, wenn er davon ausgeht, daß er dumm ist – absolut gedacht und nicht im Vergleich zu anderen Mitdummen, seien sie nun klüger oder dümmer oder sogar relativ weise.

Der Weise würde niemals auf die Idee kommen, sich für absolut weise zu halten. Auch nicht für absolut dumm. Bestenfalls kann sich der Weise für relativ dumm halten.

Aber auch das wäre natürlich attitüdenverdächtig.

Thesen zur Dummheit

Dumm ist ein Mensch, der die Entfaltung seiner Intelligenz dadurch behindert, daß er sie überschätzt.

Dumm ist ein Mensch, der die Relativität seiner Bildungsinhalte nicht reflektiert.

Dumm ist ein Mensch, der glaubt, das Sein sei wissenschaftlich zu erfassen.

Intelligenz und Bildung erzeugen ebensoviel Dummheit, wie sie abbauen. Nur die Kleider werden prächtiger.

Dummheit

Dummheit ist weniger eine Folge mangelnden Wissens, sondern eher ein Symptom der mangelnden Fähigkeit oder Bereitschaft, diesen Mangel bei sich selbst zu diagnostizieren.

Das sokratische Εν οίδα οτι ουδέν οίδα (Ich weiß, daß ich nicht weiß) ist nach wie vor trotz seiner paradoxen Struktur wegweisend. Und im Kern ist die sokratische Ironie viel weniger ironisch, als man sich zu denken angewöhnt hat.

Dogmatiker

Für einen Dogmatiker ist jeder halbwegs differenziert denkende Mensch eine multiple Persönlichkeit. Ein Nichtdogmatiker vermißt beim Dogmatiker ebendas: Persönlichkeit.

Ein Dogmatiker ist eine Person ohne sichtbare Persönlichkeit. Nicht daß er keine hätte. Er versteckt sie nur – aus Angst, er könnte von anderen Dogmatikern als gespaltene Persönlichkeit betrachtet werden. Oder von sich selbst.