Terra incognita

Hinter Gittern aus Chrom
und Efeu mit Rosendornen
unter den Scherben
zerbrochener Bäume
unberührt
vom Gaukelbetrug
geschnitzter Schalen
liegt still
ein Schweigen, lauernd
ein Ahnen
im glitzernden
Bildergemurmel:
die ewige Qual des
ewigen Glücks,
der höllenhimmelspiegelnde
Saal
stummer Sehnsucht.
Keine Rettung,
kein Vergessen
kein Schrei

Zeitlos

Sie stehn nur da. Kein Blut, kein Atem.
Und fühlen nicht die warme Hand.
Stumm. Lautlos. Fern. Bedrohlich.
Die Plastikrosen blühen nicht.

Der Morgen dämmert leise.
Frost. Am Himmel kühles Blitzen.
Und Tage öffnen sich der Nacht.
Die Plastikrosen welken nicht.

Kein Licht. Kein Glühen. Keine Sonne.
Die Marmorklippen werfen Schatten.
Wie Hände greifen ihre Zacken.
Die kalten Finger wärmen nicht

Wozu?

Wozu sich selber stumm belügen
als wäre da nicht das Klirren
der hohle Ton der zerbrochenen Schlüssel.
Wozu die Gewalt? Und die Masken.
Wozu all der Schmutz?
Wozu sich die Haut von den
Rippen kratzen?
Man kommt ja doch nicht heran.
Nicht herein.
Nicht heraus

Innere Stimme

Dauernd dieses Gerede von der inneren Stimme. Wozu Vernunft und Verstand? Immer brav auf die innere Stimme hören und bloß nicht genau hinschauen, wer da spricht. Als hätte es weder die Aufklärung gegeben noch (mehr noch) die Erkenntnisse der Psychoanalyse.

Den klaren Blick mag die innere Stimme nicht, sie wird leicht unruhig und fängt an zu zicken, wenn wir sie mal unter die Lupe nehmen wollen, schauen, wer das ist, der da spricht. Aber wir sind folgsam und sehen nicht genau hin, sondern folgen brav unserer inneren Stimme. Nur wenn sie uns zu direkt sagte, es wäre gut für uns, aus dem Fenster im fünften Stock zu springen, dann würden wir doch etwas stutzig.

Aber so dumm ist die innere Stimme nicht, sie führt uns subtiler in unser Unglück. Wir hören auf dieses dumme Geschwätz, und alle Welt propagiert und idealisiert das Denken mit dem Bauch, während das Gehirn zu sehr mit Verdauung beschäftigt ist, um etwas dazu zu sagen. Und um seinen Teil dazu beizutragen, daß wir lernen, im Chor der inneren Einflüsterer unsere eigene innere Stimme zu hören. Die ist manchmal ganz leise und verschüchtert. Mit Hilfe des Gehirns im Gezeter der inneren fremden Stimmen die eigene zu finden und damit ganz wir selbst und handlungsfähig zu werden, das ist unsere Aufgabe. Eine wahrhaft schwieriger Versuch.

Bühne des Lebens

Auf der Bühne des Lebens werden wir erst dann frei und klar sprechen und handeln können, wenn wir diesem flüsternden Gesindel von inneren Souffleuren auf die Finger treten, damit sie schreiend davonlaufen und uns zukünftig unseren eigenen Text sprechen lassen.

Auf dem Weg

Wir sind geleitet von Walküren
und folgen ihren Richtungszeichen
und wenn die Hände sich berühren
sieht man uns ungeschickt erbleichen
auch wenn wir um Gedanken streiten
und untertauchen im Gedränge
wir lassen uns von ihnen leiten
und lachen über Schlachtgesänge