Über das Wollen

Jeder möchte tun, was er will. Und er tut, was er meint zu wollen. Dabei geschieht oft, daß er sich selbst und andere durch sein Handeln verletzt. Dann geht er manchmal in sich und versucht herauszufinden, ob er das wirklich will, was er tut, oder ob er nur Impulsen von Teilen seiner Persönlichkeit, seines Egos Ausdruck gibt. Das ist für mich der Beginn der Selbsterkenntnis.

Nichts ist schwieriger, als herauszufinden, was man im Innersten will, denn in uns streiten viele Teile um die Vorherrschaft und versuchen uns einzureden, wenn wir ihren Impulsen nachgäben, täten wir, was wir wollen. Und deshalb wollen wir mal dies und mal das und trudeln durch die Gegend. Wenn wir versuchen, herauszubekommen, was wir wollen, müssen wir tiefer schürfen, und vielleicht finden wir heraus, was wir sollen. Finden heraus, daß das, was wir für unser wollendes Ich halten, nicht wir selbst sind.

Und dann sind wir plötzlich da, wo wir uns erkennen als das, was wir sind, und dann sind wir unser eigener Souverän, der dem Ich sagt, wer der Chef ist, und all die streberischen Impulse als das entlarvt, was sie sind: Zwergenwünsche. Und wenn unser Ich bereit ist, ohne zu murren, sein Sollen zu akzeptieren und sein Wollen als Wünsche zu sehen, dann werden im Wollen auch Wünsche befriedigt, ohne sich selbst ständig zu verletzen.

Aber wenn das Ich nicht bereit ist, diese Beschneidung seiner angemaßten Souveränität zuzulassen, dann wird es zu einem bitteren inneren Kampf kommen. Das erleben wir alle mehr oder weniger.

Ruhiges, klares Handeln ist erst dann möglich, wenn die innere Hierarchie geklärt und akzeptiert ist. Im Innern des Menschen gibt es keine Demokratie.

Opfer

Das zerbrochene
Honigglas
in ihrem Gepäck
du siehst es nicht
doch du hörst es
knirschen.
Setz dich zu ihr
und schau zu
wie sie schleckt
als ginge es
ums Leben.
Schau zu und
halte ihr
den Löffel.
Was ist das
schon groß.
Nicht Abraham
nicht Alexander
und da brennt
kein Haus.
Nur ein kleines
Opfer

Sezieren

Ich habe das
Seziermesser
aus der Hand gelegt
keine Vivisektion
Erkenntnisverzicht
keine Schnitte
bei Hautvertrauten.

Die andern
dürfen weiter
hoffen oder
fürchten.

Was bleibt
ist nun
der Schnitt in die
blutlosen Texte
und bisweilen
ein Selbstversuch

Carpe diem

Zählt Geld
lauft in Reihen
wer Trommler mag
nur zu
laßt die
Steine erbeben
wie im
siebentorigen Theben.
Das Ende ist Schrift
auf dem Sarkophag.

Im Blitzlicht beim
letzten Sekundenschlag
da werdet ihr
schaudernd verschweben
so narrt euch
der Tod mit
dem Leben
Am Abend blinkt
in den Spiegeln
der Tag.

Und die ihre Sinne
mit Hämmern betäubt
die gaffen nun
stumpf in die
Leere der Nacht
mit zitternder Hand
und die Haare
gesträubt.

Und wehe
dem Wesen
das jetzt
erst erwacht
zu spät
sein Beginnen
die Hülle zerstäubt
sein Weg führt
zurück in die
ewige Schlacht

Der Rat des Olymp

Alraunen wispern
auf steinigen Wegen
zerstäuben in Schluchten
verblühen im Staub
verklingen in
gurgelnden Ätherbuchten
und modern im Sande
wie Laub.

Im Martertopf
pflegen sie Zweisamkeiten
Vereinzelt das Zaudern
ein schütterer Strauch
Verhärmte hüten
schweigend ihr Schaudern
und kauen versonnen
den fettigen Rauch.

Harrt aus
drängt die
mahnende Göttergeste
zerbrecht nicht
die Spiegel, zersägt
nicht die Haut.
Treibt weiter
den Schmerz
in die tauben Hügel.
Ihr seid unser
härtestes Kraut

Reminiszenz

Und du suchst
nach dem Wort
dem lösenden
vielleicht erlösenden
doch es spricht
sich nicht
aus:
So schwer der Mund
und die Zunge
so glatt.
Auf den Lippen der
Rauhreif vom vorletzten Jahr.
Kein Vergessen.
Kein Zorn.
Kein Geschrei.
Nur so kalt.
Nur wie
Stein