Über emotionale Farbenblindheit

Manchmal ist es so, daß Menschen, wenn sie einander nahekommen, sich selbst näherkommen, aber wenn sie Probleme mit ihrem Selbst haben und diese gewohnheitsmäßig mit scheinbarem Erfolg in den Ego-Bereich verdrängen, sich von dem andern, der als eine Art Katalysator wirkt, abwenden, weil sie Angst davor haben, sich dem Teil in sich selbst zuzuwenden, auf den es ankommt, dem Kern ihrer Persönlichkeit – dann wenden sie sich vom andern ab, um zu vermeiden, sich sich selbst zuzuwenden.

Und sie leben weiter ihr verhängnisvolles Muster, weil es ihnen bekannt und gewohnt ist. Und wenn es bei ihnen immer wieder mal mächtig knallt, verlagern sie die Ursache dafür in den jeweils andern. Vermeidung der Auseinandersetzung mit sich selbst durch Projektion von Konfliktursachen auf den andern.

Das ist so etwas wie eine gefühlsmäßige Achromatopsie. Solche Menschen sind blind für die problemauslösende Struktur in ihrem Innern. Darauf hingewiesen, neigen sie gewohnheitsmäßig dazu, dem andern Fehlsichtigkeit zu attestieren. Und wenn beim nächsten andern das gleiche passiert, wundern sie sich nur darüber, daß es so viele Fehlsichtige gibt. 

Zum Beispiel Afrika

Die Sterne kümmern sich nicht darum, ob hier unten gerade Krieg ist oder Scheinfrieden. Ganz schön eingebildet, die Sterne. Fast so wie wir, wenn wir zum Beispiel nach Afrika gucken, obwohl wir keine Sterne sind. Zu unserer Entlastung sei gesagt, daß Sterne meistens weiter blicken können als wir. Vielleicht trägt das zu ihrer Arroganz bei – oder ist es am Ende nur Gleichgültigkeit? Wir können nicht so weit gucken wie die Sterne. Und die in den Observatorien schauen nicht nach Afrika, sondern hoch zu den Sternen. Vielleicht sehen sie durch die Teleskope ja eines Tages ein Schild, auf dem steht, was zum Beispiel in Afrika geschieht. Aber dann wird es wahrscheinlich zu spät sein – nicht nur für Afrika.

Respekt

Respektiere Menschen, die dich respektieren. Und versuche auch Menschen mit Respekt zu begegnen, die dich nicht respektieren. Vielleicht lernen sie dadurch. Und alle gewinnen Respekt. Das gilt natürlich nur im persönlichen Umfeld und nicht für respektlose Verfechter eigennütziger Ideologien und Interessenvertreter.

Fehler

Wenn wir auf einen Fehler in unserem Denken oder in unserer Sprache aufmerksam gemacht werden und diesen erkennen, weil wir den Einwand ernst nehmen, suchen wir nach dem Grund dieses Fehlers und benennen ihn, wenn wir das können. Das sieht für andere manchmal wie eine Ausrede aus, ist aber keine Rechtfertigung vor andern, sondern in erster Linie vor uns selbst und wirkt bei uns beruhigend, weil wir so weiter den Traum der Perfektion träumen können. Vielleicht möchten wir uns aber einfach nur weiterentwickeln. Schlimm wird es, wenn wir unsere Fehler zwar erkennen, aber nicht verstehen.

Die ewige Frage

Wozu? Ob du eine Antwort auf die Sinnsuchfrage bekommen wirst, weiß ich nicht. Aber wenn du sie nicht stellst, wirst du bestimmt keine bekommen. Und wenn du sie stellst, frag den richtigen. Am besten dich selbst.

Belanglosigkeit

Daß die Belanglosigkeit Spitzenpositionen erreicht, ist nicht weiter verwunderlich und im Grunde belanglos, denn es spiegelt nur die innere Triebkraft wider, die ihr innewohnt und die gleichzeitig ihr Wesen ist. Deshalb ist es ratsam, nach Wesentlichem eher in den mittleren und in Kellerregionen zu suchen, wenn man sich für Wesentliches interessiert.

Medizinglaube

Nach längerem Nachdenken (bei mir dauert das häufig etwas länger, deshalb habe ich kürzlich ein EEG machen lassen) komme ich zu dem Schluß, daß ein unauffälliges Hirnstrombild nicht mit letzter Sicherheit einen Dachschaden ausschließt. Man sollte die Fähigkeiten der technologisch fundierten Medizin nicht überbewerten. Im Augenblick denke ich darüber nach, ob meine Nichtabweichung vom Normbereich nicht vielleicht bedenklicher ist, als es eine Abweichung wäre. Was ich als eine unbedenkliche Abweichung vom Normbereich betrachte.