Stärke und Macht

Wer in Machtkategorien denkt, wird nie verstehen, was Stärke ist. Es sind die Schwachen, die sich nach Macht sehnen und die sie für Stärke halten, wenn sie sie besitzen. Ein starker Mensch braucht keine Macht. Macht ist ihm eher etwas Lästiges, wenn sie ihm zufällt. Allenfalls wird er sie benutzen, um sich gegen die mächtigen Schwächlinge zur Wehr zu setzen, wenn sie ihn angreifen. Und das tun sie gern, denn sie haben wie alle Kleinen ein idiosynkratisches Gespür für wirkliche Stärke, eben weil sie selbst sie nicht besitzen: das Ressentiment der Zukurzgekommenen.

Über Inkompetenz

Um nachprüfbare Aussagen über das Ausmaß der Inkompetenz in Politik und Verwaltung machen zu können, fehlt mir die statistische Kompetenz, denn ich bin bisher nicht durch die verbreitete Falsifikation statistischer Daten mittels Ausdeutung zum Kern der Statistik durchgedrungen. Der Nebel ist zu dicht und mein Interesse an mathematischen Mogeleien zu gering.

Also muß ich meine Erfahrungen zugrunde legen. Demzufolge schätze ich, daß etwa fünfzig Prozent aller Ressourcen durch Inkompetenz verlorengehen, wobei der Ausdruck »Ressourcen« sich allein auf die Zahl der Beteiligten bezieht und nicht auf deren tatsächliche Möglichkeiten, denn ein Spitzfindiger könnte sagen, daß in Wirklichkeit nichts verlorengeht, weil die Inkompetenz den Ressourcen bereits immanent ist, was hieße, daß die tatsächlichen Ressourcen sich von den theoretisch angenommenen unterscheiden, sprich fünfzig Prozent Reibungsverlust normal sind.

Ich weiß nicht, ob ich mich einem solch pessimistischen Menschenbild anschließen soll, aber der Einwand scheint mir nicht ganz unberechtigt zu sein.

Da Politik und Verwaltung aber mit einem Wirkungsgrad von über fünfzig Prozent immer noch recht gut zu funktionieren scheinen, auch wenn sie ein wenig teuer sind, bleibt genug Zeit für Kompetenzgerangel, gewissermaßen die bunteste Blüte der Inkompetenz.

Da geht es munter zu, und zuweilen hat man das Gefühl, daß Kompetenzgerangel so etwas wie das Feuilleton der Verwaltung ist – mit fließendem Übergang zum Sport, denn wenn jemand ein stabiles Seil findet, sind bald alle Beteiligten – man kann es immer wieder in den Nachrichten hören – mit kräftezehrendem Tauziehen beschäftigt. Bisweilen müssen Teilnehmer länger überlegen, wenn man sie fragt, worum es gehe, denn der sportliche Aspekt, die Möglichkeit der muskulären Selbstdarstellung, tritt häufig stark in den Vordergrund.

Was ich mich dabei frage: Welchen fünfzig Prozent muß dieses Tauziehen zugeordnet werden? Das ist keine leichte Frage, aber ich hätte sie gern beantwortet.
Deshalb habe ich sie vor einiger Zeit in den Raum gestellt, und verschiedene Wissenschaftsdisziplinen waren sofort bereit, sie interdisziplinär zu beantworten.

Und wenn sie mit dem Kompetenzgerangel darüber, wer bei der Beantwortung dieser Frage welchen Beitrag leisten kann, darf und soll, fertig sind, werde ich bestimmt eine Antwort mit vielen Fußnoten erhalten.

Doch das wird wohl noch eine Weile dauern, denn im Augenblick sind alle mit Tauziehen beschäftigt, was immerhin einen enormen Unterhaltungswert hat.

Und je länger ich dabei zusehe, um so mehr drängt sich mir der Verdacht auf, daß all die Probleme und drängenden Fragen instrumentalisiert werden. Sie sind Anlaß für die Verlagerung der Bolzplatzkindheit auf die staatlich subventionierte Bühne. Was etwas Sympathisches hätte, wenn es uns weiterbrächte. Aber vielleicht ist es einfach so, daß die Menschen nicht erwachsen werden wollen, weil es viel schöner ist, Kind zu sein. Das verstehe ich. Und bei mir ist das nicht anders. Deshalb habe ich mir bei John Glet ein Paar robuste Lederhandschuhe gekauft.

Auch ich will Spaß haben. Aber keine dermatologisch relevanten Reibungsverluste.

Tag für Tag Nacht

Schaufelschwielen keuchen Gräben
Splitterrisse hoffnungslahm.
Böse bellen Uniformen
Fusel flucht auf Abraham.

Zyanaugen löschen Flehen
Wunde Blicke blickerstickt.
Eisgelächter schneidet Leben
Peitschen knurren haßgespickt.

Angstbefeuert schmelzen Seelen
Leiber stürzen aufs Gesicht
zucken in den klammen Furchen.
Brüllend löscht der Tod das Licht.


Deutsche Meister schwitzen DAMALS
Robenrentner rheumalahm.
Mythenrauch schwült kalte Helden
Lippen zucken prahlebram

Der Tod und der Schatten

Überall, wo Lichter lohen, brennen, glühen, schimmern, huschen große oder kleine Schatten umher. Schatten sind so allgegenwärtig wie das Licht. Der Tod aber wirft keine Schatten, denn er stellt alles in den Schatten, weil er die Lichter ausbläst.