Der Fremde

Er ist verschlungen in den Strom der Zeiten
in Finsternis gehüllt im bunten Bilderbruch
und keine Zeichen, die ihn hingeleiten
ins Licht, in frische Luft, befreit vom Brandgeruch.

Und an den Rändern seiner Nachtgesichter
versinkt der Sinn, gerinnt zu bröckligem Gestein
in ihm die Worte seiner toten Dichter
Kultur, ein unverbindliches Beisammensein.

Im späten Licht verdichtet sich Geschichte:
Jahrtausend und Jahrzehnt: nur Abel – Kain
auf ihren Schultern ruhen blutige Gewichte
ererbter Wahn, beleuchtet, blind vom Feuerschein.

Ein Hexentanz im Staub der Folianten,
ein Lufthauch kaum im Kerker der verglühten Zeit
kein Testament der im Gewühl Verbrannten
nur Mummenschanz, die Larven der Vergangenheit.

Über Paradigmenwechsel

Die postmodern-strukturalistische Dekonstruktion scheitert daran oder ist sogar dauerhaft daran gescheitert, daß sie so gar nichts Konstruktives hervorgebracht hat, wodurch deutlich wurde, daß die Dekonstruktion alles andere als eine erhellende Form der Rekonstruktion ist und deshalb nicht nur wissenschaftstheoretisch kontraproduktiv. Wenn Dekonstruktion zur Destruktion wird, kann man auch gleich einen Pflasterstein ins Fenster werfen. Aber den Versuch der Dekonstruktion aufgeben heißt nicht, daß wir demnächst alle Plattdeutsch lernen müssen.

Maßlosigkeit

Mit Maßlosigkeit erweckt man den Eindruck der Größe, aber nicht die Größe selbst. Deshalb ist Maßlosigkeit eher etwas für die Kleinen, die Großen haben die Größe als Maß. Von Bescheidenheit keine Rede. Gewissermaßen maßvoll unbescheiden.

Im Versteck

Da ist kein Lärm
wo Wunden tropfen
und wer nicht hören will
sieht keine Träne.

Man stirbt nicht dran
so leicht fließt keiner aus
und wer in Fernen blickt
fühlt nicht mal Schmerz.

Nur manchmal wird er wach
wenn ihn im Dunkeln Blicke streifen
dann spürt er
auf der Brust den Schutt
verglühter Tage
und plötzlich
zittert seine Hand
und tastet
nach dem Riegel.

Und morgens wäscht er Rost
von seinen Fingern.

Mit Seife spart er nicht

Tiefe

Die Tiefe der Sprache erkennen wir, wenn wir täglich leidenschaftslos durch ihre Untiefen waten und uns urplötzlich der Boden unter den Füßen weggerissen wird. Wir müssen auch mal Wasser schlucken, um das Atmen zu schätzen.