Klepsydra nur, Ophelia

Sie treibt nicht fort, ihr Haar hat sich verfangen
an einem kahlen Trauerweidenast
der Wind leckt rauh die früh verglühten Wangen
und Ratten taumeln müde im Morast.

Am Ufer keine Astern, Anemonen,
ein paar kaputte Eimer, Anglermüll
und von Verirrten, die am Tag hier wohnen
der Rest vom Flaschendosenbieridyll.

So unromantisch. Da klingt kein Chopin,
und auch von Schubert kann kein Ton hier stören.
Das tote Mädchen schaukelt im Refrain
der stillen Fluten, fern von den Souffleuren.

Man wird sie morgen aus der Brühe fischen,
wird wissen wollen, wann, warum und wie
mit Messern graben an den Eisentischen
Begründung finden, doch die Gründe nie

 

Der Desperado

Der Desperado schließt sich selber kraftvoll aktiv aus, macht sich selbst zum Outlaw, weil er sich ausgeschlossen fühlt oder Angst davor hat, ausgeschlossen zu werden, denn es gibt einen Teil in ihm, der sich, wie Harry Haller in Hesses „Steppenwolf“ (Szene auf der Treppe) zur Leichtigkeit des Gewöhnlichen hingezogen fühlt. Wenn er sich selbst ausschließt, muß er sich nicht als Opfer fühlen, was, wie wir alle wissen, das Leben sehr erleichtert, auch wenn die Verhältnisse noch so schwierig sind. Aktiv zugrunde gehen ist allemal besser, als untergepflügt zu werden.

»Gott würfelt nicht.«

»Gott würfelt nicht«, sagt Einstein. Theoretisch relativ richtig. Gott hat es mehr mit den Karten, und er ist ein gewiefter Zocker, denn sosehr wir uns auch den Kopf verrenken, es gelingt uns nicht, in die Karten hineinzuschauen. Wir können froh sein, wenn wir wenigstens ahnen, welches Spiel mit uns gespielt wird und welche Spielregeln für uns gelten. Gott spielt natürlich nach seinen eigenen, uns gänzlich unbekannten Regeln. Und niemand weiß, ob Gott nicht, wenn ihm das Spiel mit uns zu langweilig wird, doch noch den Würfelbecher herausholt.