Weltanschauung

Emanzipiertes Denken ist agnostizistisch offen, so wie die elementaren Bilder theistisch vieldeutig sind. Atheismus aber ist etwas anmaßend Reduziertes, eine Folge von Blindheit und Denkfaulheit.

Theismus als Weltanschauung ist nur als spielerisch-harmlose Hypothese erträglich, als mehr oder weniger dogmatisch vertretene Weltanschauung jedoch eines denkenden Menschen ebenso unwürdig wie ernsthaft vertretener Atheismus.

Beide Lehren haben denselben Kern: die Überschätzung des menschlichen Erkenntnisvermögens.

Werteverfall

Am lautesten beklagen diejenigen den allgemeinen Werteverfall, die selbst ihr Leben an fragwürdigen Werten ausrichten, und am heftigsten widersprechen ihnen jene, die über keine Werte verfügen. Beide Gruppen (manchmal gehören sie sogar zu einer Fraktion, bisweilen sind sie gar Kläger und Widersprecher in Personalunion, je nachdem, über wessen Wertverlust geredet wird) hätten es am liebsten, wenn man sie selber nach Gutdünken schalten und walten ließe, aber alle andern sich zurückhielten und nach ihnen zugedachten Wertvorstellungen lebten.