Das Alphabet der Gefühle

Zertretene Schuhe sprechen
von der Schuld des Wandernden
warum ging er auf Stein
nicht auf Gras
war nicht auf Rosen gebettet
der Fuß

warum trat der
der trat
nicht heraus
aus der Reihe

weshalb kann nicht spüren
wer nicht lesen kann
die Gefühle

wieso kann nicht hören
wer nicht spüren kann
die Gedanken

und

wer ist schuld an
der Schuld
und der Scham
ohne Reue

Kritik und Kreativität

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, wird auch der Unkreativste kreativ. Vor allem dann, wenn er etwas nicht verstehen will, weil es gegen seine eingeschliffenen Überzeugungen gerichtet ist. Dann ist kein Mittel zu billig, keine Unterstellung zu abwegig, um nicht mit viel Brimborium geäußert zu werden.

Der Stillose entdeckt plötzlich seinen Sinn für den Stil (des zu Kritisierenden), und der grobschlächtig Argumentierende reagiert hypersensibel auf rhetorische Wackeligkeit (beim anderen), wenn er schon keine offensichtlichen Rechtschreib- oder Grammatikfehler findet. Und am Ende glaubt der Kritiker des Kreativen tatsächlich, er selbst wäre der eigentlich Kreative. Dagegen hilft nur eines: die Kritik des Kreativen, die kreative Kritik der Kritik.

Amok 2009

Jetzt stürzen sich Politiker und Medien wieder auf das Thema und kochen ihre Süppchen. Man mag es kaum noch hören. Drei etwas andere Beiträge und Diskussionen zum Thema: 

Wir sind Amok

Wertlose Werte überall

Warum tut einer so was

Zum Geburtstag Günter Kunerts

Günter Kunert, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, wird heute achtzig. In der ZEIT habe ich keine Würdigung wahrgenommen. Habe ich sie übersehen, oder fand man den Geburtstag tatsächlich nicht der Erwähnung wert?

In einem Gedicht Kunerts heißt es:

Wir sind die vor und
hinter Scheiben
gewöhnt die Stille und den
falschen Ton
in einem sicher, daß wir bleiben
dieselben immer
wie uns selbst zum Hohn.

Falsche Töne zu Kunerts Geburtstag gab es in der ZEIT heute nicht.

Lieber Günter Kunert, seien Sie herzlich gegrüßt
von mir und von Neil Young. Sie wissen schon …

Die Welt

PS: Inzwischen ist Günter Kunert neunzig und immer noch präsent. Wie schön. 

Offensichtlich

Das Wort offensichtlich wird besonders dann auffällig oft benutzt, wenn etwas so gar nicht offensichtlich ist, man aber einem andern gern etwas unterstellen möchte, was nur in der eigenen Phantasie existiert.