Handwerkszeug

Wollen Sie Autor werden? fragte jemand bei Google. Nicht ich.

Denn ich will keineswegs Autor werden, das erscheint mir viel zu schwierig, aber wenn ich es werden wollte, weiß ich nicht, ob ich mich an untengenannten Anbieter wenden würde.

Jemand, der behauptet, man könne bei ihm das Handwerkszeug des Schreibens lernen, scheint mir wenig geeignet als Lehrender. Sollte nicht jemand, der anderen sprachliche Fähigkeiten vermitteln will, selbst über solche Fähigkeiten verfügen?

Dazu gehört, daß bereits ein mäßig Sprachbegabter Gespür für die Bedeutung der verwendeten Wörter haben und wissen sollte, daß man zwar ein Handwerk lernen kann, aber das Handwerkszeug, das Werkzeug zur Ausübung des Handwerks, mitbringen sollte. Wenn man kein Werkzeug hat, kann man es vielleicht erwerben, aber ganz bestimmt nicht lernen. Wenn man aber Werkzeug hat, dann lernt sich das Handwerk des Schreibens fast von allein. Wenn nicht, dann kann man zwar kein professioneller Schreiber werden, aber jederzeit eine »Schule des Schreibens« für andere eröffnen.

Der Spiegel

Der Fleck auf dem Tisch
verdunstende Vergangenheit
schau in den Spiegel
solange das Wasser ihn bildet
schau in das Wasser
und wirf keinen Stein
solange du sprichst
fließt die Geschichte
im Kreis
und stottert nicht
solange Hunde bellen
wärmen auch die matten Worte
wenn Zäune brechen
zur rechten Zeit
atmen wir Erdgeruch
als wären wir
vereint und still
entzeitet

Mumienmord

Unter der Überschrift »MUMIEN-MORD« schreibt die Berliner Schlauzeitung »BZ«: »War die Mumie eine Prostituierte?«

Trotz der meist nicht ausgelebten destruktiven nekrophilen Neigung als Folge ungelebten Lebens, die sich vereinzelt ihre Objekte sucht: Prostituierte, die Freier dazu auffordern, ihre Totenruhe zu stören, sind bisher, aus naheliegenden Gründen, nicht in Erscheinung getreten.
Was bei Tom Sharpe satirisch daherkam, ist hier im Fachblatt der Ahnungslosen ganz ernst gemeint. Hier wird erst eine Mumie ermordet und dann auch noch der Prostitution verdächtigt. Das ist ein starkes Stück. Mal ganz abgesehen von Pietätserwägungen, die nun wirklich niemand von derartigen Zeitungen erwartet, ist ein solcher Journalismus Ausdruck bedenklichen denkerischen Unvermögens. Aber wer erwartet von der Journaille Denkfähigkeit? Nur ein Ochse.

Die Frage lautet nicht: »War die Mumie eine Prostituierte?« Die Frage lautet: War der Schreiber ein Ochse? Ja, ein Hornochse.

Ganz sicher.