Ohne Handschuhe

Wenn du mit
bloßen Händen
und Worten
die Welt betrachtest
fühlst du alle Farben
nicht nur die
der Handschuhe
und wenn die Finger
zu riechen beginnen
spürst du die Reife
und des Wassers
Doppelgestalt

du nimmst die
weiße Seife
und den roten Stift
und Ekel spürst du
nicht

Wortwäscherei

Wäscher des Weißen
im Dornengestrüpp
Wäscher des Roten
mit fahlen Gesichtern
und die Fingerkuppen
erglüht wie gemalt
Aderlaß aus den
zerquetschten Tuben
ins Bild gewühlt
mit knöchelbleichen Pinseln

im Dickicht schimmert
das Weiß der
Transfusionen

Kropf

Nichts ist so überflüssig, daß bei seiner Erwähnung das Wort Kropf gerechtfertigt wäre. Mit Ausnahme des Kropfes selbst und der Feststellung, der abgeleierte zerrbildhafte Vergleich mit dem überflüssigen Kropf sei überflüssig wie zwei Kröpfe.

Sex in der Ehe

Henryk M. Broder in einem Radiokommentar darüber, wie wenig sexy Berlin seiner Meinung nach ist: „Sex in der Ehe ist wie Duschen im Bademantel.“ Das ist eine lustige Karikatur, aber ist das auch erfahrungsgesättigt? Da sich Broder öfter über das Thema Ehe äußert, vermute ich, daß er nicht verheiratet ist. Ob er wohl im Bademantel duscht? Das wäre eine nette Pointe. Und nicht unrealistisch, denn Pointen mag er mehr als alles andere.

Großstadtsinfonie

Hupen und Motorenbrummen
Lachen Hämmern Nervensäger
aufgeregtes Hummelsummen
groß und klein Rotorenflattern
Luft kühlt flirrend Datenträger
in der Ferne Bahnenrattern
Glockenschlagen Martinshorn
Flieger gehen leis verlorn
ölverliebtes Türenschreien
in Gedanken Papageien
Elstern reimen streitend Krähe
rundfunkschrill ein Wortpygmäe
plumpgesirrtes Taubenschwingen

später wird die Amsel singen
wenn das Blau verblüht vergraut
tiefen frohen Schmerzenslaut

What the Bleep Do We Know!?

Daß unser Wissen über das Reale in der Realität außerordentlich lückenhaft ist, das ist den meisten Protagonisten des Filmes What the Bleep Do We Know!? weitgehend klar, vielen ihrer Kritiker jedoch (noch) nicht.

So ist in Wikipedia zu lesen: »Kritiker behaupten, der Film sei zu selektiv in der Auswahl der präsentierten Informationen. Andere meinen, daß er zustimmende Gesichtspunkte hervorhebe und kontroverse Ideen nicht ausreichend berücksichtigt seien oder daß das Thema zu sehr unter dem Gesichtspunkt des Mystischen dargestellt ist und die Auswahl der beteiligten Wissenschaftler nicht nur nach objektiven Gesichtspunkten erfolgte, da sie nicht in allen Punkten die Ansicht der allgemein anerkannten Wissenschaft präsentieren.«

Vielleicht liegt das daran, daß eine große Zahl von Wissenschaftlern keine Zeit hatte, weil sie zu sehr mit der Erforschung neuer Massenvernichtungswaffen und profitbringender Konsumgüter beschäftigt ist. Der Film mag zwar nichts wesentlich Neues bringen, doch in ihm werden neben dem einen oder anderen Fragwürdigen zum größten Teil plausible Hypothesen auf der Grundlage von Relativitätstheorie und Quantentheorie, aber auch der Molekularbiologie zum Nachdenken über das menschliche Selbstverständnis angeboten.

Die »allgemein anerkannte Wissenschaft« ist eine andere Sammlung nachdenkenswerter Hypothesen. Die Frage What the bleep do we know? muß immer wieder neu gestellt werden, indem man versucht, Antworten auf sie zu geben. Der Film ist so ein Versuch.